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Lange Zeit wusste ich nicht genau, was ich beruflich machen sollte. Eine weise Frau meinte, ich müsste etwas mit Kindern, Menschen mit Beeinträchtigung oder alten Menschen machen. Das mit den Kindern konnte ich mir vorstellen, doch die andern beiden Varianten? Da schrillten lauter Vorurteile in meinen Ohren. Zwei Jahre später bewarb ich mich auf eine Stelle in einem grossen Altersheim. Sie suchten eine Aktivierungstherapeutin mit organisatorischem Flair. Ehrlich gesagt, ich hatte noch nie von einer solchen Therapie gehört, doch die Aufgabe schien interessant zu sein. Ich erinnerte mich an die Worte der weisen Frau und dachte: 'Probier's doch einfach aus.'

Die Beziehungen zu den alten Menschen lösten meine Vorurteile schnell in Luft auf. Sie berührten mich tief und machten mich glücklich. Ich konnte kaum glauben, dass ich mit ihnen Zeit verbringen durfte, meine Kreativität ausleben konnte und erst noch dafür bezahlt wurde. Ja, sie waren alt, gebrechlich, manchmal launisch, hin und wieder mürrisch und anstrengend. Doch, was für mich viel mehr zählte, war ihre reiche Lebenserfahrung, ihre Beziehungsfähigkeit. Sie waren irgendwie mehr bei sich, echter, weniger gekünstelt. Sie waren anteilnehmend, dankbar, schenkten mir ihre Anerkennung. Kurz - ich fühlte mich wohl in ihrer Gesellschaft und war bereit, mich für sie und ihre Anliegen einzusetzen.

Ich blieb nicht in dieser Funktion, aber beim Thema Alter. Ich bewährte mich in der selben Institution als Pflegedienstleiterin, wechselte in die Schulungsadministration einer Firma für Bedarfsabklärung in der Langzeitpflege, vermisste jedoch den direkten Kontakt zu den alten Menschen und fand ihn auf neue Weise in der Altenpflege. Daraus entwickelte ich das Projekt 'Ressourcenorientierte Altersarbeit' und setzte es mit viel Elan in die Praxis um. Währenddessen besuchte ich den Masterstudiengang der Berner Fachhochschule in Gerontologie, der auf die sinngenerierende Lebensgestaltung von Menschen ab 50 Jahren fokussiert ist. Heute arbeite ich als Aktivierungstherapeutin und Gerontologin auf einer Gerontopsychiatrischen Abteilung. Auch da richte ich meinen Fokus stets auf die Ressourcen und individuellen Möglichkeiten meiner Klientel.

Mit diesem Blog möchte ich Mut machen, sich neu auf das Alter einzulassen und die vorgefassten Meinungen über Bord zu werfen. Es gelingt, wenn wir uns nicht an der Materie festhalten, sondern uns für die Beziehungsstruktur, das Geistige, das allem zugrunde liegt, öffnen.